Katzen lassen sich trainieren. Nicht mit Druck und nicht mit Kommandos, sondern über einen kurzen, immer gleichen Ton, der genau den Moment markiert, in dem die Katze etwas richtig gemacht hat. Dieser Ton kommt aus einem Clicker, einem Knackfrosch für wenige Euro. Was danach folgt, ist Futter. Mehr steckt nicht dahinter, und genau deshalb funktioniert es.
Diese Seite beantwortet die Fragen, die beim Clickertraining mit Katzen tatsächlich immer wieder gestellt werden: wie man anfängt, ab welchem Alter es sich lohnt, welche Leckerlis taugen, was zu tun ist wenn nichts klappt, und wie man mit mehreren Katzen umgeht.
Warum der Clicker und nicht die Stimme
Eine Katze verknüpft eine Belohnung nur dann mit ihrem Verhalten, wenn beides zeitlich dicht beieinander liegt. Zwischen dem richtigen Moment und dem Leckerli in der Pfote vergehen aber immer ein paar Sekunden. In dieser Lücke hat die Katze längst etwas anderes getan, und belohnt wird dann das Falsche.
Der Clicker schließt diese Lücke. Er sagt der Katze: dieser Moment war es, das Futter kommt gleich. Die Stimme kann das nicht ersetzen, weil sie täglich in tausend anderen Zusammenhängen vorkommt und jedes Mal anders klingt. Der Clicker klingt immer identisch und bedeutet immer dasselbe.
Ab welchem Alter lohnt sich das Clickern
Kätzchen können ab etwa zwölf Wochen mitmachen, halten aber nur sehr kurz durch. Bei ihnen zählt nicht der Trick, sondern dass sie den Clicker früh als etwas Angenehmes kennenlernen.
Nach oben gibt es keine Grenze. Eine zehnjährige Katze lernt langsamer als eine zweijährige, aber sie lernt. Bei alten Katzen und bei Tieren mit Gelenkbeschwerden gilt nur: keine Übungen mit Sprüngen, keine Übungen, die Schmerzen machen könnten. Zielobjekte gehören dann auf Bodenhöhe.
Was Sie brauchen
- Einen Clicker. Wenn Ihre Katze auf das Geräusch erschrickt, dämpfen Sie es, indem Sie den Clicker in der Hosentasche oder hinter dem Rücken bedienen.
- Leckerlis, die die Katze wirklich will. Das ist der Punkt, an dem die meisten Versuche scheitern. Trockenfutter aus dem täglichen Napf ist keine Belohnung, sondern Alltag. Was funktioniert, sind winzige Stücke Hühnchen, Katzenwurst aus der Tube oder gefriergetrocknete Fleischstücke.
- Sehr kleine Portionen. Eine Trainingseinheit kostet zwanzig bis dreißig Belohnungen. Wenn jede davon die Größe eines Fingernagels hat, ist die Katze nach fünf Stück satt und das Training vorbei.
- Optional einen Targetstick. Ein Kochlöffel oder ein Stift tut es genauso.
Trainieren Sie vor der Mahlzeit, nicht danach. Eine satte Katze arbeitet nicht.
Die ersten Einheiten: den Clicker aufladen
Bevor die Katze irgendetwas lernen kann, muss der Click für sie eine Bedeutung bekommen. Dafür verlangen Sie noch gar nichts.
- Setzen Sie sich zu der Katze, wenn sie wach und entspannt ist.
- Klicken Sie einmal und geben Sie sofort ein Leckerli. Nicht gleichzeitig, sondern erst der Click, dann das Futter.
- Wiederholen Sie das etwa zwanzig Mal, mit kurzen Pausen dazwischen.
- Nach zwei bis drei solcher Einheiten prüfen Sie: klicken Sie, während die Katze wegschaut. Dreht sie den Kopf und erwartet Futter, sitzt die Verknüpfung.
Eine Einheit dauert zwei bis drei Minuten, nicht länger. Das ist der häufigste Anfängerfehler: Der Mensch findet es gerade spannend und macht weiter, die Katze steigt innerlich aus. Hören Sie auf, solange die Katze noch mehr will.
Die erste Übung: das Target
Halten Sie den Stick oder einfach Ihren ausgestreckten Zeigefinger etwa eine Handbreit vor die Nase der Katze. Katzen sind neugierig, fast jede schnuppert daran. In dem Moment, in dem die Nase das Ziel berührt, klicken Sie und geben ein Leckerli.
Nach einigen Wiederholungen berührt die Katze das Ziel absichtlich. Jetzt können Sie es langsam bewegen: etwas weiter weg, etwas höher, auf die andere Seite. Aus dem Target entsteht später fast alles andere, weil Sie die Katze damit an jede beliebige Stelle führen können, ohne sie anzufassen. In die Transportbox zum Beispiel.
Wenn es nicht klappt
Wenn eine Katze nicht mitmacht, liegt es fast immer an einer dieser fünf Ursachen:
- Das Leckerli ist zu langweilig. Testen Sie drei verschiedene Sorten und nehmen Sie die, für die die Katze aufsteht.
- Die Einheit ist zu lang. Kürzen Sie auf zwei Minuten.
- Der Click kommt zu spät. Geklickt wird während des Verhaltens, nicht danach.
- Die Anforderung ist zu groß. Zerlegen Sie die Übung in kleinere Schritte. Statt der ganzen Drehung zunächst nur der Blick in die richtige Richtung.
- Der Zeitpunkt ist falsch. Eine Katze, die gerade schlafen will, lernt nichts.
Ein Rückschritt ist normal. Wenn eine Übung an einem Tag plötzlich nicht mehr sitzt, gehen Sie einen Schritt zurück auf das, was sicher klappt, und bauen von dort neu auf.
Warum Strafe hier nichts zu suchen hat
Anschreien, Wasserflasche, Nackengriff: Eine Katze versteht daraus nicht, dass ihr Verhalten falsch war. Sie lernt, dass von diesem Menschen unberechenbar Unangenehmes ausgeht. Das Verhalten verschwindet dann höchstens in Ihrer Anwesenheit, und was Sie sich dafür eintauschen, ist eine Katze, die Ihnen ausweicht.
Clickertraining geht den umgekehrten Weg. Unerwünschtes Verhalten wird nicht bestraft, sondern durch ein erwünschtes ersetzt, das sich für die Katze mehr lohnt. Die Katze springt auf die Küchenarbeitsplatte? Dann wird der Hocker daneben zum Ort, an dem es klickt. Das dauert länger als Anschreien, hält dafür.
Clickern mit mehreren Katzen
Trainieren Sie am Anfang immer einzeln, in einem geschlossenen Raum. Sonst kassiert die schnellere Katze alle Belohnungen und die langsamere lernt nur, dass sich Mitmachen nicht auszahlt. Wer zu Hause zwei Katzen hat, braucht deshalb keinen zweiten Clicker, sondern eine zweite Tür.
Erst wenn beide ihre Übung sicher können, lohnt sich gemeinsames Training. Dann braucht jede Katze einen festen eigenen Platz, etwa zwei Hocker mit Abstand, und Sie arbeiten abwechselnd. Ein Click gilt immer nur für eine Katze, das Futter kommt dorthin, wo diese Katze sitzt.
Clickern gegen Angst vor Fremden
Bei einer ängstlichen Katze wird nicht der Mut trainiert, sondern der Abstand belohnt, den die Katze noch aushält. Setzt sich der Besuch ins Wohnzimmer und die Katze beobachtet aus fünf Metern Entfernung ruhig, dann klickt es genau dafür. Das Futter wird dabei nicht zum Besuch hin geworfen, sondern an den Platz der Katze.
Entscheidend ist, die Katze nie über ihre Grenze zu schieben. Kein Locken, kein Hochheben, kein Herantragen. Der Besuch schaut die Katze nicht an und spricht sie nicht an. Verkürzt wird der Abstand nur, wenn die Katze ihn von sich aus verkürzt. Wer das über Wochen durchhält, kommt weiter als mit jedem gut gemeinten Annäherungsversuch.
Übungen, wenn die Grundlagen sitzen
- Pfötchen geben. Ein Leckerli in die geschlossene Faust, die Katze angelt mit der Pfote danach, Click.
- Auf den Platz gehen. Eine Decke oder ein Hocker als Ziel. Nützlich, wenn beim Kochen niemand um die Beine streichen soll.
- In die Transportbox. Über das Target, in kleinen Schritten, an Tagen ohne Tierarzttermin. Das ist die Übung mit dem größten praktischen Nutzen.
- Winken. Aus dem Pfötchen entwickelt, indem Sie die Hand zunehmend weiter weg halten.
- Die Ideenkiste. Ein Karton kommt in den Raum, geklickt wird jede neue Idee der Katze damit: hineinsteigen, anstupsen, hineinschauen. Das trainiert nicht einen Trick, sondern die Lust am Ausprobieren.
Die kurze Fassung
- Zwei bis drei Minuten pro Einheit, lieber zweimal täglich als einmal lang.
- Aufhören, solange die Katze noch will.
- Erst den Clicker aufladen, dann die erste Übung.
- Hochwertige Leckerlis in winziger Größe, vor der Mahlzeit.
- Immer einzeln anfangen.
- Nie strafen, sondern das gewünschte Verhalten lohnender machen.